Mal ganz Privat… Liebe. Erklärung.

Das Leben wird nie wieder so sein, wie es mal war. Jedenfalls nicht in nächster Zeit.
Ich muss gestehen, ich habe mir nach gerade mal acht Monaten Pläne gemacht, wie es weitergehen könnte. Hatte Pläne, Wünsche, Träume, Hoffnungen.
Dass all diese Dinge, kombiniert mit grenzenloser Liebe, Vertrauen, Geborgenheit und Glücklichkeit samt Lebensfreude, Selbstvertrauen und allem drum und dran innerhalb von etwa zwei Sekunden den Bach runtergingen war nicht geplant. Aber so ist das Leben. “Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören.” Wer hat das gesagt? Mir egal, aber bringt ihn um. Es war schön. Ich hatte alles, was ich brauchte, mein Leben war auf einmal erfüllt von bunten Farben, summenden Bienchen, strahlenden und im Wind schaukelnden Blümchen, Sonnenschein, Wärme und ihr wisst ja was alles. Schmetterlinge im Bauch. Liebe eben.
Crap. Zwei Sekunden lang hat mein Fall gedauert. Dann war ich ganz unten. Theoretisch kann ich also nicht so sonderlich weit oben gewesen sein. Oder ich bin verdammt schnell gefallen. Seid ihr schonmal in zwei Sekunden… ne anders. Was sind zwei Sekunden? Wenn ihr tief getaucht seid, und auftaucht und keine Luft mehr bekommt, zwei Sekunden sind die Hölle. Wenn ihr um die Ecke rennt, und seht den Bus auch gerade um die Ecke biegen, zwei Sekunden sind verdammt anstrengend. Wenn ihr zum ersten Mal vom Zehnmeterbrett springt, zwei Sekunden sind euer Leben. Wenn ihr verliebt seid, wenn ihr glaubt, es würde ewig dauern, nichts könnte euch besiegen, ihr würdet alles machen, um die Liebe zu erhalten, und wenn euch eure Freundin dann sagt: “Ich weiß nicht wie ich es sagen soll, aber… Ich liebe dich nicht mehr.”

DAS sind zwei Sekunden. Früher war ich echt scheiße drauf. Habe mich in meiner Einsamkeit nicht glücklich, aber doch irgendwie heimisch gewähnt. Die Welt, so in Schatten und Grau in Grau, düstere Gedanken undsoweiter, jahh. Himmel, ich bin dankbar, dass ich Freunde hatte, die mich da rauszogen. Schule lief immer noch nicht so wie ich wollte, und zuhause - nun, ich mag nicht behaupten, dass ich wirklich gerne gemacht habe, das nach-Hause-gehen. Aber ich habe endlich ein wenig gelebt.
Und dann falle ich durch die dreizehnte Klasse, werde nichtmal zur schriftlichen Abiturprüfung zugelassen. Kurz darauf bekommt ihr zwei Sekunden zu hören, die euer Leben endgültig über den Haufen schmeißen.
Nochmal den Satz - Himmel, ich bin dankbar, dass ich Freunde hatte, die mich da rauszogen. Aber ich verstehe es selbst nicht. Ich sollte theoretisch trauriger sein als ich es bin. Weit trauriger. Ich kenne mich gut genug, dass ich behaupten kann, nach der Erfahrung würde ich jetz alles aufgeben, würde mich nicht mal annähernd mehr um mein Leben kümmern, würde wieder wie vor Jahren in fast-Depressionen versinken.
Sheeeet, warum mache ich es nicht? Ich komme bis jetzt noch gut mit meiner… Freundin… aus, lebe weiter vor mich hin und verstehe nicht warum das so ist. Es stört mich irgendwie. Sie sagt, ich verkrafte es besser, als wir beide dachten. Mag sein. Aber ich meine, außer der Tatsache, dass ich jetzt andere Mädchen wieder anschauen kann, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen, ich habe ncoh keioen Vorteile gefunden. Eher im Gegenteil. Ich werde eine Menge vermissen. Oder besser, ich vermisse es schon. Ich werde nie wieder mit ihr kuscheln können. Nie wieder ihren Bauch streicheln können. Nie wieder mich im Duft ihrer Haare und der Tiefe ihrer Augen verlieren können. Werde nie wieder das wunderschöne Gefühl haben, wenn wir nebeneinander herumgelegen sind und gekuschelt haben. Werde nie wieder ihre Lippen küssen können (so blöd es klingt, aber der begriff rosenzart trifft wirklich zu) und nie wieder einfach so ungestört in ihre Richtung schauen können und zu wissen “das is meine Freundin” und dabei verliebt zu lächeln. Werde nie wieder neben ihr aufwachen, nie wieder spüren, wie sich ihr Körper an meinen anschmiegt (das klingt perverser als es ist). Werde niemals meine restlichen Träume erfüllen können, werde ihr nie schenken können was ich ihr noch schenken wollte. Werde nie wieder die Freude haben, wenn ich sie in der Tür stehen sehe, oder die Trauer, wenn wir uns verabschieden. Ich habe auch die Trauer gemocht, seltsamerweise. Werde nie wieder sie lieben können, werde nie wieder ihre Liebe empfangen können. Werde nie wieder Dinge machen könen, die ich hier nmciht näher ausformulieren will, und werde nie wieder Dinge machen, die ich hier nichtmal ansatzweise erwähnen will.
Alles zusammen - ich habe eine Menge verloren. Was habe ich gewonnen?
Nun ich muss eine unmenge an Passwörtern ändern, ich werde noch eine ganze Weile wohl aufwachen und feststellen, dass ich schon wieder von Mädchen geträumt habe. Ich habe Erfahrung gewonnen. Gute und schlechte Erfahrungen. Ich werde mir immer noch die Haare schneiden müssen, weil das Weihnachtsgeschenk immer noch nicht eingelöst wurde :,(
Was noch bleibt, ist der Schatten an der Wand und Ich. Und meine sexuelle Einsamkeit.

Dennoch.

Es war schön. Und um nichts in der Welt, wie auch du schon gesagt hast, möchte ich diese Monate eintauschen. Ich weiß jetzt, was Liebe ist. Und ich weiß, was ich machen kann, was ich nicht machen sollte, was ratsam ist, und was ich nicht machen sollte, bevor wir wenigstens fünf Jahre zusammen gewesen wären.

Ich wünsche dir alles nur erdenklich Gute auf deinem weiteren Weg, wie auch immer er aussehen mag. Mögest du jemanden finden, den du so lieben kannst, und der dich so liebt, wie ich dich geliebt habe, liebe und lieben werde.
Eins kannst du nämlich shcon irgendwie vergessen - mich magst du los sein. Aber nichts kann mich davon abhalten, dich weiter zu lieben. So, wie ich auch viele andere Personen liebe beziehungsweise geliebt habe beziehungsweise glaube, geliebt zu haben. Heimlich aus der Ferne.

Es ist nur nicht mehr die selbe Liebe. Eher so eine Liebe, eine richtig dicke Verbundeneheit. Wie ich es auch bei meinen Freunden habe. Nur eben hier auf geschlechterübergreifender Ebene.

Also lass es mich hier sagen, aus tiefstem Herzen kommend, und einzigartig, wie ich es hoffentlich nicht mehr allzu oft sagen muss. Ich wünsche es auch dir nicht, denn ich habe gesehen, wie sehr es dich mitgenommen hat. Und wenn es dich nur halb so viel mitgenommen hat wie mich, aber das wünsche ich niemandem.

Lass es mich hier nun sagen.

Danke. Es war schön.

Michael