Erwin, der Osterhase

Es war einmal ein Hase. Dieser Hase… nun er war eben ein Hase. Wie es die meisten Hasen eben so sind. Aber – dieser Hase war ein ganz besonderer Hase. Weil: Er hatte einen Namen. Und das nur, weil wir ihn nicht immer nur “der Hase” nennen wollen. Also gut, der Hase, nun er hieß… hm, sagen wir mal Erwin. Der Hase hieß Erwin. Und der Erwin, der hatte heute einen ziemlich schlechten Tag. Denn der Erwin, der hatte heute Osterdienst. Osterdienst, das war sehr schlecht. Nicht Westerdienst oder Norder- oder Süderdienst, nein, es war Osterdienst. Und Osterdienst, das hieß soviel wie Stress. Großer Stress. Verdammt großer Stress. Denn Osterdienst, da musste jetzt der arme Erwin erst mal ein Jahr lang Eier sammeln und bemalen. Und wenn er damit fertig war, dann musste er innerhalb von einem Tag (mit einigen Ausnahmen auch ein paar Tage vor- und nachher) alle Eier verteilen. Nein, nicht verteilen: er musste die altersgerecht verstecken. Wie das bei diesen ganz besonderen Windrichtungshasen so der Fall war, lebten sie versteckt unter dem unsichtbaren Wasserfall auf der Himalaya-Anhöhe. Seit Gaaanz langer Zeit schon, und dieser unsichtbare Wasserfall hatte bei den Windrichtungshasen eine stark extrem lebensverlängernde Wirkung, also jeder Hase lebte, na sagen wir mal hundert Millionen Milliarden Jahre. Wenn nicht sogar Tausend. Ach egal, sie lebten eben. Lange. Länger als normale Hasen. Und deshalb machen dieselben Hasen wie vor hundert Jahren auch den Dienst noch heute. Naja gut, das nur so zwischendurch.

Himmelsrichtungshasen hießen Himmelsrichtungshasen heißen so weil sie Zugang zu den verschiedenen Welten haben. O Ja. Verschiedene Welten. Das ist wie ein vierfacher Spiegel, in dem sich eine Welt spiegelt. Deshalb heißt es ja auch bei uns Ostern und in den anderen Welten heißt es dann Western. Den gibt es bei uns auch, aber das ist was anderes. Und Nordern und Südern. Und egal was ihr jetzt sagt, aber diese Himmelsrichtungshasen machen in allen vier Welten dasselbe. Ostereier austeilen. Oder Wester-, Norder- und Südereier. Egal, vergesst es. Sie machen es eben. Bei uns ist das aber extrem. Weil nämlich die Kinder viel zu lange geistig so klein bleiben, dass sie besagte Eier suchen. Und da hat eben der Hase mit Osterdienst eben ziemlich gearscht. Weil eben alle Hasen haben Ferien. Und nur vier Hasen müssen das Jahr über arbeiten müssen. Mit Eierbemalen und Eierverstecken. Und der Arme Osterhase – also unser Erwin – der muss eben praktisch dasselbe machen wie die anderen, nur eben fast doppelt so viel. Weil eben alle großen Jugendlichen bis ins hohe Alter von sicher zwanzig Jahren gerne noch Ostereier suchen.

Auf jeden Fall ist der arme Erwin jetzt ziemlich sauer. Und weil ein sauerer Osterhase nicht besonders hilfreich ist, weil er streiken tut und so, nun deshalb schauen ihn viele andere Hasen ganz böhhse an. Erwin macht trotzdem seine Arbeit. Er schuftet und schuftet wie ein Wilder. Naja, er ist ja auch ein ganz Wilder. Erwin ist nämlich auf Beförderung aus. Und wenn er, so denkt er, jetzt beim Osterdienst alles hervorragend macht, dann wird er zum Chefeinweiser befördert. Der Chefeinweiser, das ist ein Hase, der in einer Glaskuppel sitzt und alle Diensthasen beobachtet. Jedenfalls offiziell. Denn auf seinen Bildschirmen laufen nur Pornos und Computerspiele. Der Chefeinweiserwindrichtungshase macht nämlich auch oft LAN-Partys.

Erwin denkt sich jetzt also: “Das schaffe ich jetzt.” Und Erwin beginnt zu arbeiten. Ein Ei, noch ein Ei, noch ein Ei. So. Das erste Kind hat er schon versorgt. Da tönt auch schon eine Stimme aus dem Lautsprecher: “Chhhhouuuuuuujjjiiiiiiikchchchc!” Dann noch mal das selbe, nur lauter. Scheint so als wäre der Lautsprecher kaputt, denkt sich Erwin. Dann schreit der Chefeinweiser persönlich durch die Halle. Was er schreit ist nicht schön. Er schreit nur, dass Erwin schneller arbeiten soll weil er schon zehn Eier im Verzug ist. Dabei flucht er eigentlich nur. Aber es ist wirklich soo unschön, dass Erwin von hopp auf hey der Kragen platzt und er zurückschreit. Der Chefeinweiser schreit auch zurück und Erwin kriegt sooo nen Hals. Der Chefeinweiser grinst dann noch hämisch, weil er glaubt dass Erwin keine Flüche mehr einfallen. Aber Erwin – er ist ja wie schon erwähnt ein ganz Wilder – er reißt die Eierabfüllmaschine aus ihrer Verankerung. Na und weil Erwin in seiner Wildheit so richtich wild ist den Eier-auf-das-Transportband-Roller gleich noch mit dazu. Diese Maschinen haben blöderweise einen Geschwindigkeitsregler. Und den stellt Erwin jetzt auf gaaanz oben. Gaaanz oben, das heißt schnell. Sehr schnell. Und jetzt wird das Ding ziemlich selbstständig und schießt die Eier los und rattattattattattaa! die Eier fliegen los und wusch und zack und hey ho zack wusch bumm knall peng fliegen sie und treffen alles was nicht geschützt ist und der Chefeinweiser kriegt gleich drei Eier ab und dann weht der Schlauch in die andere Richtung und die Eier fliegen weiter in Richtung Erwin und der Erwin kriegt gleich vier Eier ab und der Erwin fällt um und der Schlauch fliegt weiter und weiter und schließlich sind alle Eier verbraucht und die Maschine ist kaputt und die Halle sieht aus wie nach einer Eierschlacht und Stille herrscht.

Erwin und der Chefeinweiser erwachen beide gleichzeitig und shön langsam aus ihrem Koma. Die sind nämlich beide ins Koma gefallen als sie die Eier abbekommen haben. Naja, man kennt das ja, wie das eben so ist. Der Arme Erwin kriegt ziemlich Stress mit dem Chefeinweiser, weil der noch mehr ausrastet. Was er sich gedacht hat, will der Chefeinweiser gar nicht erst wissen. Aber er hat ziemliche Probleme, der Erwin. Man kann ihn ja schlecht rauswerfen, den Erwin. Weil ja so ein Hase der reden kann und so eklig rosa aussieht würde ja schnell auffallen, wenn er in der Osterwelt rumhüpft. Oder in der Wester-, Norder- oder Süderwelt. Aber das ist auch ganz ausgeschlossen dass man ihn rauswirft. Weil einer muss ja jetzt alles saubermachen und die Maschinen reparieren und alle Eier von allen vier Welten bemalen. Und dann sagt er erst mal gar nichts mehr, der Chefeinweiser. Er macht nur noch komische Geräusche. Weil der Erwin, der hat ihm nämlich seine kleinen Pfoten an den Hals gelegt. Und jetzt würgt Erwin gerade. Liebe Kinder, das ist nicht schön, deshalb macht das bitte nicht nach. Davon kann man nämlich soo böse werden, dass ihr zur Polizei müsst. Erwin musste davon nicht zur Polizei. Aber er wurde rausgesetzt an die frische Luft. Außerhalb von dem unsichtbaren Wasserfall. Erstens war er jetzt nass, weil die Hasen ihn durch den Wasserfall geschubst hatten, und andererseits war es draußen kalt. Weil draußen war Schnee. Wir sind ja auf der Himalaya-Anhöhe. Naja, und dann hat sich der Erwin halt nach einer Stunde gedacht, dass es schon kalt ist. So ganz nass und im Schnee, da könnte man ja Schnupfen bekommen. Erwin hatte dann noch etwa einen Tag, dann war er ganz gefroren. So richtig durch und durch. Die anderen Hasen haben nämlich vergessen ihn wieder reinzuholen. Naja, er war dann eben tot. Und die anderen haben ihn dann doch irgendwann reingeholt, aber er blieb tot. Fertig. Ende. Aus. Punkt.

Also die Geschichte war jetzt irgendwie komisch, aber irgendwas muss man ja schreiben. Und wie ich die Leser kenne, werden sie sowieso alles gut finden, was ich schreibe. Punkt. Ihr dürft aufhören zu lesen.

Michael Bahner

Okkultus