Briefe an die Unbekannte
Die Briefe an die Unbekannte entstanden mehr aus dem Moment heraus. Ich habe sie vor einer Weile einer… sagen wir flüchtigen Bekannten geschrieben, die mich vier Briefe gebeten hat… einen darüber, dass die Welt schön ist, einen über meine eigene Unzulänglichkeit, und einen Liebesbrief. In der Illusion, es könnte etwas daraus entstehen, habe ich mich selbstverständlich sofort daran gesetzt.
Es ist nichts draus geworden. Wer hätts gedacht.
Nu aber die Briefe an die Unbekannte.
[Teil 1 ist von Hand geschrieben und ich habe ihn bisher nicht mehr erhalten. Kann ihn daher auch nicht abdrucken.]
Briefe an die Unbekannte - Teil 2
Die Welt ist schön.
Einzigartig, und von Kriegen, Hunger, Krankheit, Pestilenz, Armut, Machtkämpfen, Diktatoren, Spammern, Hackern, Terroristen, Pandas, Bomben, Waffen, Gewalt, Bush und Microsoft überschwemmt, aber sie ist schön.
Schaut euch um. Seht die kleinen Dinge. An denen seht ihr, dass die Welt schön ist. Das Große Ganze, das wir sowieso nicht erfassen können, die Sache mit kosmischem Weltverständnis und so, lasst das außen vor. Wir sind ein Staubkorn im Universum, also lasst uns auf die Staubkörner unserer eigener Universen herabschauen.
Auf eine kleine Blume, die zartlila-blassblau am grasig-grünen Wegesrand eines von grauen, weißen, bunten und schwarzen Kieseln übersäten Waldwanderwegs unter blauem Himmel, Sonnenschein, weißen Wölkchen und einem Schmetterling sein Dasein frönt und das sich der die armen hungernden Kinder in Afghanistan wegen einen Dreck schert.
Die Welt ist schön.
Schaut herab von euren Metallbauten und Plastikfassaden, herab auf die Berge, die sich grauschwarz-massiv als Wächter der Weltenzeit über die mickrigen Wälder erheben, mit weißen Häuptern, die in der frostigen Stille nur von den stürmischen Winden umweht werden, der Schneeflocken herumwirbelt und die kantigen Felsen über Äonen hinweg noch kantiger macht, anstelle sie rund zu schleifen.
Die Welt ist schön.
Lasst die Waldbrände in Weitfortistan sein und schaut auf das Feuer, das sich gezähmt und träge von dem schwarzen Docht erhebt, der inmitten einer dicken, weißen Kerze seine wächserne Umgebung langsam und stetig verdaut und damit sein eigenes Leben verzehrt, nur damit eine romantische Atmosphäre entsteht, wenn die goldgelb-orangenen Flammen die Holzmöbel im Wohnzimmer beleuchten, flackernd beruhigende Schatten wirft, die sich entgegen aller Horrorszenarien in Kuscheldeckenstimmung um die Kerze scharen.
Die Welt ist schön.
Beobachten wir die kleinen Dinge, die uns jeden Tag aufs neue erfreuen, mit übernatürlicher Genauigkeit; beschreiben wir diese Szenen, diese kurzen Eindrücke über mehrere Zeilen, über Absätze, über Seiten hinweg. Dann… ja, dann haben wir etwas, an dem wir uns tagtäglich aufs neue erfreuen können, auch wenn wir es nicht sehen. Dann haben wir etwas, das uns Trost schenkt, wenn wir niemand sonst haben. Dann haben wir etwas, das uns aufmuntert, wenn wir am Boden zerstört sind.
Dann…
Dann haben wir eine schöne Welt geschaffen.
Briefe an die Unbekannte - Teil 3
Meine eigene Unzulänglichkeit lässt sich nicht in Worte fassen. Sie ist unter Umständen nur fiktiv. Gar nicht real. Aber sie wird mir immer wieder mit grässlicher Deutlichkeit vor Augen gehalten.
So kann es sein, dass ich vielleicht wirklich gute Geschichten schreibe - und nciht nur die Leute die Geschichten gut finden, die mich auch kennen, und die wissen, was in meinem Kopf vor sich geht.
So kann es sein, dass ich vielleicht wirklcih gute Bilder male, auch wenn ich selten damit zufrieden bin, was ich zustande bringe.
So kann es sein, dass ich gar kein so schlechter PC-Spieler bin, auch wenn ich langsamer auflevele und nur mit mehr Problemen vorankomme als andere Spieler.
So kann es sein, dass es wirklich eine Freundin für mich gibt, auch wenn ich mit jedem Tag die Hoffnung etwas mehr verliere.
So kann es sein, dass ich wirklich nicht so blöd bin, wie alle glauben - auch wenn ich mein Bestes gebe, sie in dem Glauben zu lassen.
So kann es sein, dass ich eigentlich doch ganz normal bin - auch wenn ich noch immer mehr in der Traumwelt lebe als ich sollte.
Meine Unzulänglichkeit ließe sich sicher auf noch mehr Dinge erweitern, aber ich denke, diese Auswahl reicht schon. Ich habe keine Lust, tiefer in meinem Charakter zu wühlen, davon werde ich immer ganz depressiv, weil mir auffällt, was ich alles bin, was ich sein könnte, und dass ich mich nur anstrengen müsste, und ändern müsste, was auch kein Problem darstellen sollte, aber eben - ich müsste meinen Charakter neu überdenken.
Es gibt Dinge, die könnte ich ohne weiteres tun, und es würde sich nur zu meinem Vorteil entwickeln.
Aber ich hindere mcih selbst daran, weil ich zu verstockt, zu borniert bin, ich kenne mich so wie ich bin, und in einer anderen Rolle fühle ich mich auf Dauer nicht wohl.
Ich bin kein Gruppenmensch. Es wäre ein Leichtes, anstelle immer nur abseits zu sitzen, einfach auf eine Gruppe zuzugehen und sich unauffällig daneben zu stellen, sich unmerklich in ein Gespräch zu verwickeln und dann plötzlich ein Teil der Gruppe zu sein.
So einfach.
Aber ich fühle mich in Gruppen nicht wohl. Meine eigene Unzulänglichkeit und vor allem die schon in meiner alten Klasse witzhaft argumentierte “innere Zerrissenheit” hindern mich daran, auf eine Gruppe zuzugehen, weil ich… ja, weil ich was? Weil ich Angst habe? Manchmal kommt es mir so vor. Aber mir ist immer noch nicht klar, ob ich Angst habe, und wenn dem wirklich so sein sollte, vor was ich Angst haben sollte.
Es ist ein Teufelskreis. Und meine Innere Zerrissenheit, mein mangelndes Selbstwertgefühl und einige andere Dinge zwingen mich dazu, ihn nicht verlassen zu wollen.
Warum? Weil ich mich nicht wohlfühle?
Ich weiß es nicht.
Aber darüber nachzudenken… dabei fühle ich mich nicht wohl.
Briefe an die Unbekannte - Teil 4
Der Teil, vor dem es mich am meisten graust. Ein Liebesbrief an eine Person, die ich nicht wirklich kenne, die einen Freund hat, und von der ich nicht einmal sagen kann, ob ich sie überhaupt liebe oder nicht.
Was schreibe ich an jemanden, der ich meine Liebe gestehen soll (Zitat: “aber es muss wahr sein” Zitat Ende), aber über die ich doch faktisch kaum etwas weiß?
Deine Augen sind schön, ich mag Augen grundsätzlich, und wer schöne Augen hat kann kein schlechter Mensch sein. Wer kein schlechter Mensch ist, dem fehlt nciht viel zu einem guten Menschen. Und ein guter Mensch ist etwas sehr begehrenswertes.
Ich mag dein Lächeln, es ist wirklich sehr bezaubernd und so nett ungezwungen.
Deine Haare haben eine schöne, natürliche Farbe (auf die ich jetzt allerdings nicht näher eingehen will, weil ich einst eine Geschichte über weibliche Haarfarben geschrieben habe - der Schock sitzt mir jetzt noch in den Knochen).
Ich kann nichts sagen darüber, wie mir deine heißen Küsse, deine innigen Umarmungen, dein morgendliches Aufwach-Lächeln, deine tiefen Blicke oder andere Dinge fehlen, weil ich diesen Aspekt des Liebesbriefs endgültig jemand anderem überlassen möchte, der wohl mehr Erfahrung darin hat.
Auch kann ich nicht von unseren tiefgründigen, endlosen Gesprächen schwärmen, da wir solche noch nicht hatten.
Genau genommen kann ich nur von ziemlich wenig schwärmen, weil ich dich ja wie gesagt kaum kenne, und nach unserem gestrigen Gespräch vermute ich, wird mein Zustand auch nie sonderlich weit darüber hinausgehen, in dir etwas zu sehen, das du höchstens in meinen Tagträumen sein wirst.
Da ich unzählige Tagträume habe, und nur wenige davon an die Wahrheit bzw das reale Leben herangehen, muss das nichts heißen - ich tagträume ja auch davon, zu fliegen, mich in einen Drachen verwandeln zu können und von der Weltherrschaft. Da macht ein Tagtraum mehr oder weniger nichts aus, wenn… ja, wenn er denn wenigstens für sich alleine in meinem Kopf herumgeistern würde. ich weiß noch nciht, welche Auswirkungen es hat, dass du jetzt einen kleinen, unscheinbaren und von der Realität weit entfernten Tagtraum kennst, in dem du auch noch relativ zentral vorkommst.
Diese Person, die K. (Name geändert, gekürzt und falsch geschrieben) in meinem Tagtraum, der ich tausend Eigenschaften andichte, von denen vermutlich keine einzige wirklich ist, diese K. vergöttere ich. Aber ob ich diesen Liebesbrief, an die Nicht-Traum-K. gerichtet, mit Wahrheiten und preisenden Lobgesängen füllen kann, das ist eine Frage, die für mich unbeantwortet bleibt.
An die Person gerichtet, die mir begegnet, wenn ich die Augen schließe, könnte ich Liebesbriefe schreiben, über Seiten hinweg. Sie ist das Idealbild, das sich selbst vor mir verbirgt, und deren Äußeres sich im Lauffe der jahre vielfach gewandelt hat.
Von dir weiß ich nichts. Ich kann dir nichts sagen, was nicht aus der Luft gegriffen wäre. Soll ich dich mit Lob überhäufen, deinen Charakter benedeien, deine Persönlichkeit salben, wenn ich doch gerade mal eine kleine Facette davon kenne, und selbst die nicht einmal gut?
Ich sage, hier am Ende des Liebesbriefes, dass es schön ist, dass es dich gibt. Dein Freund sollte, soweit ich dich kenne, glücklich sein mit dir.
Träume sind wandelbar, aber sie weichen leider auch stets von der Realität ab. In meinem Fall ist es nun der Charakter und die Persönlichkeit eines vermutlich wundervollen Menschen, die ich in ätherische Höhen hebe und mit sphärischem Engelsgesang untermale.
Bedauernswert.
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Gerade im nachhinein fällt mir auf, wieviel ich hier eingentlich gesagt habe, das nie hätte gesagt werden sollen. Aber es ist spät, und ich habe die dumme Angewohnheit, dass ich einmal Geschriebenes nur extrem selten wieder lösche.
Daher - nimm es mir nciht übel, was ich geschrieben habe. Ich bin ein Mensch, der einfach schreibt, und danach schaut was er sich gedacht hat. Ich bereue schon jetzt vieles davon, aber ich vermute doch mal schwer, du bist klug genug, um zu erkennen, was cih damit aussagen wollte.
In etwa dies:
Das, was ich von dir kenne, reicht nicht aus, um dich zu lieben. Daher liebe ich das, was ich mir zu dir dazuerfinde - aber auch zu jedem anderen Mädchen, das ich nicht genau kenne.
Ach was solls. Bin müde, Gute Nacht.
Bin ja selbser schuld wenn mcih keiner mag *grummelmurmel*