Kriegsgrenzverhalten

Zwei Rassen auf einem Planeten.

Beide nicht menschlich. Bevor ihr etwas denkt.

Das übliche, sie hassen sich aufs Blut.

Und sie bekriegen sich.

Mit Worten. Das ist neu.

Denn anderes bleibt ihnen auch nicht übrig.

Denn

ein Energiefeld trennt sie.

Menschen

Haben es hinterlassen, auf ihrem Weg zwischen den Sternen.

Sie säen Frieden, wohin sie kommen

Und gehen.

Entgegen aller Vorstellung. Der Mensch als das

Gute Wesen.

Sie haben das Energiefeld errichtet. Am Äquator. Oben die eine Rasse,

unten

die andere.

Wenn sie über das Energiefeld hinweg könnten,

oder unten durch,

oder außer herum,

oder sei’s drum, mit dem Kopf durch die Wand,

Tod und Verderben wären gesät

auf Beiden Seiten.

Aber es geht nicht.

Die Menschen haben viel

Gelernt.

Über Frieden

Und über Technik.

Und sie nutzen es weise.

Hah. Der Mensch als der gütige Gott,

den sie früher so verzweifelt gesucht haben.

Die beiden Rassen, nun, entlang des Äquators, Wiesen, Meere, Wälder, Berge,

und

Waffen im Anschlag.

Sollte der Schirm versagen,

“Wir sind vorbereitet, der Krieg wird kommen. Seid gewarnt, üble Feinde.”

Der übliche Spruch.

Und dann, der Bevölkerung zum Trotz, an einer Stelle des Schirms,

das übliche Klischee,

eins und eins vereint. Jeder der beiden,

trotz durch den Schirm getrennt, ein friedliches Miteinander-auskommen.

Jeder der beiden ein Schachbrett vor sich, sie sitzen nur Zentimeter voneinander getrennt.

Gleiche Konstellation auf den beiden Spielfeldern, bewegt der Krieger,

muskulös und gut gebaut,

eine der Figuren, die Magierin

schlank und zierlich, ein liebliches Gesicht

zieht auf der anderen Seite die Figur getreu mit. Dann ist sie am Zuge.

Freilich, ist es nicht das, was wir als Schach kennen. Aber es kommt ihm doch nahe.

Die beiden, von sich hassenden Völkern, vereint seit ihrer Kindheit.

Sie haben erkannt, dass die Fehde doch nicht enden wird.

Der Krieg besteht im Geiste. Und weil der Geist nicht willig ist,

kann es keinen Frieden geben.

Also sollte man seinen Krieg so austragen,

dass es unter sich bleibt. Dass er

“human”

bleibt, wie die Menschen damals gesagt haben.

Also Schach. Oder was ihm nahe kommt.

Der Schirm zwischen ihnen war ihnen nur eine Behinderung.

Beiden wäre es wohler

Ohne den dünnen Schutz.

Und sie denken sich nur,

“wir müssten nicht mehr doppelt ziehen. Wir könnten uns in die Augen sehen.”

So sehen sie sich nur verwaschen, flimmernd, aber sie sehen sich. Klar genug.

Niemand wird je den Grund erfahren.

Ob die menschliche Technik doch nicht die Jahrhunderte überdauerte,

ob die beiden offiziell anerkannten Feinde durch ihre Liebe den Schirm bezwangen,

ob

ob

ob

Der Schirm, rings um den Äquator, flackert

Erlischt.

Aus.

Millionen von gerüsteten Kriegern blicken verblüfft von beiden Seiten auf

Die Situation

Auf die sie trainiert wurden

Und die sich doch nie hätte ereignen sollen.

Sekunden

des Schweigens.

Rings

um den Äquator.

Die beiden Kontrahenten

in dem Schachspiel

blicken auf, als von Sekunde zu Sekunde die Flimmernde

Trennwand

zwischen den beiden Schachbrettern

erlischt.

Sie blicken sich zum ersten Mal

Seit sie sich kennen

Unverhüllt

In die Augen.

Beide lächeln sanft und etwas

Erlöst.

Und wenden sich wieder dem Schachspiel zu.

Die Dame ist am Zug, eine Magierin, wurde gesagt, nun, sie nimmt eine Figur

Bei uns wäre das ein Bauer, oder etwas

Vergleichbares.

Schiebt ihn ein Feld nach vorne oben links, setzt ihn ab, lässt ihn

LOS

Riefen sie alle und stürmten vor, die Waffen im Anschlag,

Und der Krieg, der nie geendet hatte, ging weiter.

Wie auf dem Schach, das keines ist, so auf der Grenze, die keine mehr ist.

Und die beiden Schachspieler…

Unbeeindruckt von dem Geschehen, spielen sie

Zusammen,

auf einem Brett,

ihren ganz persönlichen Krieg zu

Ende.

 

Michael Bahner

Okkultus