Hinter dem Bildschirm
Ich sitze vor meiner Tastatur und meinem Bildschirm. Technisch gesehen, sind es gar nicht meine. Sie gehören der Schule, aber weil ich in meinen Freistunden diesen PC belege, gehören sie jetzt mir. Das ist einfach gesagt, und jetzt ist es so.
Während ich nichtstuend beobachte, wie der schlecht eingestellte Monitor vor sich hin flimmert, überlege ich, was ich schreiben soll. Irgendeine Idee hatte ich neulich, über die ich schreiben wollte. Doch kaum dass ich das richtige Fenster auf meinem Bildschirm geöffnet hatte, war die Idee verflogen. Wie es ja immer ist, ist der Funke der Idee erst erloschen, wenn man bereit ist, ihn anzufachen.
Nun beobachte ich also die Tastatur, kratze ein wenig Dreck von den Buchstaben, wische einen Fettfleck von der Glasscheibe des Monitors, ziehe auf dem Desktop Kästchen. Meine Idee ist dahin.
Suchend streift mein Blick durch den Raum.
Zu meiner Linken ein paar weitere unbesetzte Bildschirme, auf denen ein und derselbe Bildschirmschoner läuft. Ich drehe meinen Kopf nach rechts und sehe eine Klassenkameradin, die einen Brief an irgendeinen Professor schreibt und mich hin und wieder in meinen Gedankengängen unterbricht. Noch weiter in der Reihe nach rechts, ein paar andere Personen, eine Klasse unter mir, alle tippen und klicken wild umher. Ich bin der einzige, der unbeweglich und ruhig vor dem Bildschirm sitzt und effektiv gar nichts tut.
Während mein Blick weiter wandert, setze ich mich ein wenig auf und bemerke fast sofort ein Loch in der Wand hinter dem Bildschirm.
Ich lege den Kopf schräg, schaue das Loch an. Das Loch schaut so aktiv zurück, wie es ein Loch eben so tun kann. Es könnte von einer Schraube stammen, das ist realistisch anzunehmen. Man kann noch ein wenig in das schattige Dunkel hinein das Gewinde sehen.
Ich muss mich korrigieren, sonderlich schattig und dunkel ist das Loch nicht. Es scheint eher, als wäre es ein Loch in ein angrenzendes Zimmer, und dieses ist nur schlecht beleuchtet. Was etwas unwahrscheinlicher ist, denn dahinter befindet sich meines Wissens eine Betonwand. Neugierig geworden, beuge ich mich ein wenig nach vorne und starre in das Loch hinein, so gut es die Entfernung zulässt.
Erneut werden meine Gedanken unterbrochen, als die Klassenkameradin mich nach einigen Blättern fragt, die neulich ausgeteilt wurden. Ich suche sie aus dem Ordner heraus, reiche sie ihr, und sie verfällt wieder in Schweigen.
Erneut blicke ich in das Loch. Als ob ich den Monitor etwas aus der Sonne drehen wollte, schiebe ich ihn unauffällig zu Seite und beuge mich näher an das Loch. Tatsächlich, man kann hindurch schauen. Im angrenzenden Raum bewegt sich etwas.
Meine Neugier besiegt nach einigen Sekunden die Massenträgheit meines Körpers und ich lehne mich geräuschvoll und nicht mal annähernd unauffällig nach vorne und drücke mein Auge an das Loch in der Wand. Ich kann förmlich hören, wie neben mir die Augenbrauen hochgezogen werden, aber ich konzentriere mich auf das Geschehen im nächsten Raum.