Und er sah, dass es gut war.
Verlassen in der staubigen Einöde liegt der Koloss da. Ein Planet voll mit nur staubiger Einöde. Hie und da ein wenig Gebirge, und an den Polkappen etwas Eis. Aber im Grunde genommen ist sonst nichts da. Nur der Koloss. Wie lange er schon liegen mag, in einer verzweifelten Haltung neidergesunken und auf die Seite gekippt, die Antwort weiß ganz allein der Wind, der sacht und manchmal auch etwas rauer über die Ebene zieht, kleine Staubwolken aufwirbelt, mitunter auch etwas größere.
Nun, der Koloss hatte ein langes Leben. Damals, in einer Zeit, in der diese Welt noch von blühendem Leben war, als das Wasser noch fast überall knöchelhoch stand und kleine rosafarbene Gräser sachte in dem grünen Himmel ragten, war der Koloss ein Beschützer. Er wurde vergöttert und angebetet, weil er so unsagbar mächtig war, weil er als das Erstes da war, das es jemals gegeben hatte. Er ließ es sich gerne gefallen, denn er war weise, weil er in der Tat schon vor den damaligen Planetenbewohnern diesen Planeten betreten hatte. Er war damals noch ein Geschöpf, das zum Kampfe gezüchtet worden war, ein Krieger, ein Zerstörer. Ein Roboter, der in sich die Gene der Herren trug. Ausgestattet mit den tödlichsten Waffen, den kompliziertesten Schaltkreisen, den feinsten Regulatoren und dem höchsten an Intelligenz, Weisheit und Gefühlen, war er der perfekte Gott. Der Koloss konnte Den Himmel mit Wolken bedecken und in seiner hohlen Hand Blumen wachsen lassen. Er konnte die kompliziertesten Rätsel lösen und sich selsbt kompliziertere Rätsel stellen als er sie hätte lösen können. Er konnte mit einem Handstreich Berge zum Einsturz bringen und mit gewaltigen Energiestrahlen ganze Sterne auslöschen. Und er allein konnte bestimmen was gut war und was nicht gut war. Ja, sagten die Herren, Dies ist Wahrlich ein Meisterwerk. Dies ist eines Gottes würdig.
Nur, dass die Herren keine Götter brauchten, schon gar keine Götter, die sie selbst anbeten sollten. So verwarfen sie diesen Prototypen und schickten ihn auf eine ihrer weit entfernten Welten. Sie hatten schon vor Äonen die Saat des Lebens zu dieser öden Welt getragen, und die Brut hatte sich gut entwickelt. Nicht die schönsten Geschöpfe, doch der Koloss in seiner weisen Voraussicht veränderte seinen Körper dergestalt, dass die Geschöpfe dieser Welt ihn als Gott und Herrscher würden anerkennen.
Sie erkannten ihn auch an, als sie sich zu einer Rasse mit Intellekt gewandelt hatten, und sie verehrten ihn und bauten ihm zu Ehren gewaltige Imperien auf und unterwarfen sich den Planeten.
Die Herren derweil sahen, dass es gut war, und sie widmeten sich anderen Dingen als dem verstoßenen Prototypen, der ihrer Meinung nach sowieso bald das Zeitliche segnen würde.
Doch der Koloss starb nicht, und noch Jahrtausende später gedieh unter ihm eine fast perfekte Gesellschaft. Bis schließlich die Herren kamen. Sie hatten in einem Krieg, der sie schon ihre ganze Geschichte lang begleitete, den Koloss völlig vergessen, und sahen nun voller Stolz aus ihren mächtigen Raumschiffen auf ihn herab und sagten sich: Ja, dies ist unser Werk.
Dann stiegen die Herren aus ihren Himmelsgewölben herab und wollten diese Welt für sich beanspruchen, denn der Krieg hatte sie nicht nur ihres Wissens um fast alles technische Verständnis, sondern auch um all ihre Welten gebracht. Der Koloss gestattete den Herren einen kleinen Winkel auf seiner Welt. Die Herren jedoch sahen nicht die ungeheure Macht des Kolosses, und sie vertrieben die Einwohner aus ihren Städten; sie mordeten, wo es ihnen passte, sie verfluchen die Einwohner und sie nahmen die Länder und den ganzen Planeten für sich. Der Koloss ward wütend, als er dies sah, und als Warnung zerstörte er die Raumschiffe der Herren, damit sie nicht wieder von diesem Planeten fort konnten und nun auf ihn angewiesen wären.
Dies sollte die grausigste Tat sein, die der Koloss für lange Zeit tat. Denn das Schiff der Herren ging in Flammen auf, und mit ihm die gesamte Atmosphäre. Nur wenig blieb zurück, das nicht zu Staub zerfallen wäre, und selbst dies ebnete sich selbst im Laufe der Jahrhunderte der Stille und der Leere.
Der Koloss sank zusammen und wollte warten bis etwas geschah, das ihn von seinem Trübsal ablenken konnte. Denn er hatte soeben sein Volk und die letzten vom Volk seiner Herren ausgelöscht.
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Michael Bahner
Okkultus