The Base

Die Basis liegt irgendwo über der dichten Wolkendecke. Die zurückgebliebene Zivilisation unter ihr liegt im Überlebenskampf mit der Natur, die Relikte ihres früheren Daseins, Maschinen, liefern ihnen, soweit sie noch funktionieren, gute Dienste.
Doch zurück zur Basis, die Menschen, die nach dem Fallout zurückversetzt wurden in die Steinzeit, ohne Ahnung, wie die Maschinen funktionieren, die sie bedienen, interessieren uns nicht weiter.
Über den Wolken liegt sie. Schwebende Plattformen, durch lange, stählerne Gänge verbunden; diese ach-so-bekannten Ufos, hundert Meter Radius, durch ebenso lange Verbindungen zu einem riesigen Komplex aus über-, unter- und nebeneinanderschwebenden Diskussen zusammengesetzt, der wie viele andere seiner Art über der Wolkendecke des Planeten langsam dahinzieht. Irgendwo auf einem fernen Planeten oder in ferner Zukunft, wer weiß. Interessiert ja auch nicht weiter.
Die Wesen, die auf der Basis leben, kann man schwerlich als Menschen bezeichnen. Ihre Basis schwebt mächtig und drohend, Kilometer durchmessend, ohne Fenster, über einem Planeten, dessen Sonne schon lange nicht mehr existiert. Mäßig beheizt und nur mit kalten, sterilem Neonlicht beleuchtet, vegetieren diese Wesen dahin. Grob gesehen, sind sie physiologisch noch Menschen. Doch ihre bleiche, graue Haut, ihre eingefallenen Augenhöhlen, ihre Implantate machen sie nicht mehr zu dem, was ihre entfernten Vorfahren einmal gewesen waren. Sie leben, mit den zahllosen Computern eines gigantischen Netzwerks verbunden.
Der Großteil ihres Lebens spielt sich vor Computern ab. Oder eher – in ihnen. Aus den Falten ihrer schlaff herunterhängenden, fast ledernen Haut blitzen Platinen hervor, bei manch einem wurde ein Arm durch ein seltsames Werkzeug ersetzt, mit dem sich der Benutzer in den nächsten Computer einklinken kann. Die meisten Schädel sind kahl, nur wenige haben Haare. Ebenfalls sind ein Großteil der Schädel dieser Pseudomenschen geöffnet, Schläuche und Kabel führen zu den Computern und Maschinen, an denen sie angeschlossen sind und an denen sie seit zahllosen Jahren unbeweglich sitzen; verfallende Körper, deren Gehirn der einzig lebendige Teil war, seit sie angeschlossen wurden.
Extreme Beispiele sind auch hier zu finden, und nicht wenige: Schädel mit einem Gehirn, ohne den Unterkiefer manchmal, aufgepfropft auf ein arkanes Gerät. Die graue Haut hängt seit Jahren ledrig bis pergamentartig an den Schläfenknochen herunter, spannt sich über die kleinste Vertiefung. Die leeren, nutzlosen Augenhöhlen sind mit Schläuchen, Kabeln und einem optischen Sensor gefüllt, das Gehirn ohne Umwege direkt an die Maschinen angeschlossen. Seit Gründung der Basis angeschlossen, wurde der Körper dieses Nicht-Individuums langsam, Stück für Stück entfernt oder ersetzt, bis zum jetzigen Zeitpunkt nur noch der Schädel übrig blieb, verrottend, nur ein Aufbewahrungsgefäß für das Gehirn, das durch die Integration in den Zentralcomputer schon lange ein fester Bestandteil der Basis geworden war.
Spinnwebenartiger Schimmel kriecht bereits über so manchen Bewohner dieser Basis, wenn er länger an den Computern angeschlossen bewegungslos verharrt; die Kabel des Computers meterweit in den Arm, den Kopf oder die Brust geschoben. Die “normalen” Menschen in der Basis schließen sich an den Computer an und arbeiten. Oder spielen. Oder schreiben, verwalten, regieren, dienen. Keiner weiß es, denn wenn man jemals als Unbeteiligter herauszufinden versuchte, würde man unweigerlich einer von ihnen werden, auf ewig ein Gefangener und ein Sklave der Basis. Unabwendbarer Teil der Maschinerie. Die Basis ist stur in Metall gehalten, zum Zweck erschaffen. Ihre Bewohner hasten, grauhäutig und vernetzt, zum nächsten Computer und klinken sich sofort wieder ein in das Netzwerk der Freaks. Als ob sie Luft holen müssten, ohne es offline zu können.
Und ja, Freaks sind sie. Als ob ihre graue Haut, ihre einsamen Schädel auf der Maschine, als ob diese wandelnden Skelette mit zerrissenen Kleidern, die seit Jahrzehnten, ja Jahrhunderten nicht mehr gewechselt wurden und seit ebenso langer Zeit die Generationen überdauern, als ob diese… Freaks nicht genug hätten mit ihren Computern und ihrem Netzwerk der wandelnden Toten – nein, sie dehnen ihre Abartigkeit, ihre Perversionen nun gerade auch auf ihren Körper aus und behängen sich Piercing-gleich mit Ketten, Stacheln oder Ringen, die sie sich in ihr verwesendes Fleisch hineinrammen, implantieren.
Die Neugeborenen – es sind wenige, zu wenige zum Überleben – bekommen nun schon bei ihrer Geburt Stacheln in den Kopf implantiert, damit die Wunden verheilen und sie später aussehen, als ob ihnen die Stacheln aus dem Kopf wachsen würden. Die Ringe und Piercings an den unmöglichsten Stellen sind normal, das kannte man auf der Welt unter ihnen schon vor dem Fallout. Die Ketten, die ihr graues Fleisch dehnen und zerren, oder am Körper lose herabbaumeln – Die Tatsache, dass sich auf der Basis drei Leute herumtreiben, die es als den neuesten modischen Trend sehen, sich ihren Lebenspartner als vergammelten, körperlosen Kopf, durch Kabel und Schläuche und seltsame Gerüste mit sich herumzutragen…
Man wird mir zustimmen, wenn ich diese Wesen als Freaks bezeichne. Ich hatte jedoch viel Zeit, mir die Verhaltensweisen und Gedanken dieser ehemaligen Menschen anzusehen. Ich hatte viel Zeit, darüber nachzudenken. Ich verstehe sie, warum sie seit Jahrhunderten über den Wolken leben. Fernab der unter ihnen lebenden. Warum sie sich so frenetisch mit ihren Computern verbinden. Warum sie inzwischen auf Metallene Einpflanzungen stehen, die entgegen ihren Zahllosen Tech-Implantaten keinen Sinn haben.
Ich weiß inzwischen so ziemlich alles über diese neue Rasse von Menschen. Warum es unter ihnen Individuen gibt, die schon da waren, als die Basis gerade erst in Betrieb genommen wurde. Warum sie alle so schrecklich lange leben, ein Leben, das fast schon an Unsterblichkeit grenzt. Warum sie kaum Neugeborene haben. Warum… na ja. Wie gesagt, fast alles. Das Problem ist nur, dass ich es euch nicht sagen kann. Oder besser – sagen darf. Denn… Ich bin ja schließlich auch so ein Freak. Eingeheiratet. Und obwohl es mich doch schon irgendwie anekelt… es ist doch trotzdem ein Leben, dass ich in all seiner Hektik nicht missen möchte. Mir gefällt es hier, zwischen den unverkleideten Wänden, zwischen den schmutzigen Lochblechen, welche die Böden bilden und den Kabeln, die von der Decke hängen. Zwischen dem Stinkenden Kopf, der langsam neben mir verschimmelt und der Leiche, die unaufgeräumt seit einigen Jahren in der Ecke dort hinten liegt. Zwischen den Stacheln, die mir meine Frau jeden Morgen in den Leib rammt, wenn sie mich umarmt; und den ganzen anderen Freaks, die hier nur den Computer verlassen, um schnell zur nächsten Konsole zu eilen und dort sein ComLink-Implantat schnell hineinzustecken. Warum es mir hier gefällt? Ihr seid keine von uns. Ihr würdet es nicht verstehen.
Sorry, Guys. Aber die Pflicht ruft. So long und keep Freakin’!

Michael Bahner
Okkultus
Dazu erreichte mich eine Fanart-Geschichte. Vielen Dank =)

Unter der Basis

Die Basis über den Wolken kennt ihr schon, und ihr kennt einen von denen, die über den Wolken schmachten und nur Verachtung für die vermeintlich primitiven, dummen Geschöpfe auf der Erde übrig haben. Sie bezeichnen diese Wesen als dumm, weil sie nicht wissen wie man die Maschinen bedient. Sie bezeichnen sie als primitiv, weil sie wie Wilde hinter Tieren herlaufen nur um für einen Tag, ohne Garantie für den Nächsten, etwas Nahrung zu haben. Doch sind nicht diese „Wilden” die eigentlichen Sieger?
Ich sage: Ja! Denn sie haben etwas, was die Freaks aus Selbstzweifel und Angst aufgegeben haben: Sie haben die Freiheit. Die Freiheit zu schreien, die Freiheit zu weinen, die Freiheit zu rennen und die Freiheit zu ruhen.
Sie bedienen zwar die Maschinen die sie technisch gesehen nicht verstehen, doch geistig haben sie die metallenen Ungetüme längst durchschaut: Wer sie versteht, will sie verbessern. Wer sie verbessert, beginnt sie faszinierend zu finden, beginnt sie zu bewundern, zu verherrlichen, zu vergöttern. Wer sie versteht würde sie verteidigen, weil er glaubt ein Recht dazu zu haben, er würde sie für wertvoller als echtes, wahres, freies Leben halten.
Doch das tun die „Wilden”, die stolzen und freien Wilden, nicht. Sie haben verstanden das man einen gewissen Nutzen aus den Maschinen ziehen kann, das sie vielleicht bei manchen Dingen behilflich sind. So wie ein Stein beim Nüsse knacken hilft.
Die Wilden fragen nicht „Warum?” und wollen, wenn sie es herausgefunden haben alles viel besser machen. Sie sagen „Darum!” und packens an.
Die Wilden wissen wer sie sind, sie wissen was sie können und sie wissen wo ihre Grenze erreicht ist. Sie haben sich nach dem Fallout nicht verkrochen. Ihnen gehört die Zukunft, denn sie hatten den Mut das Alte fallenzulassen wie eine heiße Kartoffel.
Sie sind nicht die Freaks die sich an das Vergangene klammern, aus Angst, keinen Boden zu finden wenn sie ihr Hirngespinst loslassen.
Die Wilden, und das beweist die Geschichte, werden gewinnen. Man muss das bekannte Gebiet verlassen, sich frei machen für neue Gedanken und den lauernden Gefahren der neuen Zukunft ordentlich in den Arsch treten. Was wäre passiert wenn der amerikanische GI im Landungsboot vor der Normandie gesagt hätte „Oh, ich weiß nicht. Das Boot gefällt mir, ich mag das Boot. Warum soll ich raus und mich den Gefahren des Kraut-Sperrfeuers aussetzen?”. Wäre sein zukünftiges Ich in der Nähe gewesen, hätte es gesagt „Weil es das richtige ist, und du das verdammt noch mal weist. Und weil in Paris eine französische Schönheit auf dich wartet, du Trottel.”
Denn so ändert sich die Welt, und sie wird sich wieder und wieder ändern bis sie sich beim nächsten Weltuntergang, beim nächsten Fallout eine Atempause gönnt und wieder damit beginnt zu schreien: „Weiter! Weiter! Weiter!”
Diese Gedanken sind mir spontan nach dem Lesen von Michis Dystopia „The Base” gekommen und ich hoffe meine Gedanken kann man wenigstens ein bisschen verstehen. Wer sie nicht versteht soll noch mal nachdenken (aber bitte nicht interpretieren, das ist ein bisschen wie ein Was-wäre-wenn-Gedankenspiel und nicht Effi Briest) und wenn das nicht hilft könnt ihr mich fragen. Ich werds demjenigen dann mit Händen, Armen und Augenrollen erklären, oder es versuchen. (Bringt bei der Gelegenheit ein Bier mit, das lockert nicht nur die Zunge sondern auch die schwermütig-bekloppten Gedanken die jeder mit sich rumträgt)

David