Coop mit Miggy

Dies entstand in Kooperation mit Miggy. Aus Gründen der Privatsphäre habe ich zuerst um Veröffentlichungserlaubnis gebeten und ihren wahren Namen hinter inem von ihr gewählten Pseudonym versteckt.
Einen Titel trägt diese Geschichte nicht. Auch keine Widmung. Ich denke, es spricht für sich.

Okkultus:
Ich stelle mir einen hohen Berg vor. Grau, mit einem schneebedeckten Gipfel, schroff und steinig, mit Furchen und Felsen.

Miggy:
Da ist grünes Moos und andere zähe, grüne, aber eher dunkelgrüne Pflanzen auf den Felsen in den Furchen und teilweise zur Hälfte unter dem Schnee.

Okkultus:
Nach unten hin wird der Berg gemäßigter, geht über in eine Hügellandschaft, grüne, hellgrün-feuchte und dunkelgrün-erdige Wiesen, Feldblumen, dunkelgrüne Tannen in kleinen Gruppen, mitunter ein Bächlein, ein kleiner See, ein paar mächtige und uralte Eichen.

Miggy:
Am Rand des kleinen Sees steht eine uralte Trauerweide, deren Zweige bis ins Wasser und auf der anderen Seite beihnahe bis auf den Boden reichen und deren dicker, dunkelbrauner und von alter, spröder Rinde besetzter Stamm wirkt, als würde er seit Anbeginn der Zeiten genau an dieser Stelle stehen.

Okkultus:
Nebel, der morgens von dem See auf das Land kriecht, wird schnell von der aufgehenden Sonne vertrieben. Diese schickt dann, täglich um die Mittagsstunden, ihre hellen Strahlen durch die hängenden Äste einer Trauerweide hinab auf einen steinernen Altar. Er ist grau, wirkt massiv, und wenngleich nicht geschliffen, so wirkt er doch glatt gemeißelt. Was auf ihm liegt, wirkt, als könne es noch nicht lange so liegen, doch schon seit vielen hundert Sommern ist der Altar unberührt vom Zahn der Zeit.

Miggy:
Gelbes wie braunes Laub ruht friedlich zu Füßen des Altars als hätte man die Zeit im Moment seines sterbens eingefroren.

Okkultus:
Hilflos und schwach liegt eine zartgliedrige Frau auf dem Altar, liebliches Gesicht, sanftgewelltes goldenes Haar, im starken Kontrast zu dem Körper einer Königin, die abgewetzten Lederklamotten eines Kriegers.

Miggy:
“Du sorry, mir fällt da jetz nix zu ein…”

Okkultus:
“…” [Fügt was dem Text hinzu:] Was mag sie sein?

Miggy:
[streicht alles ab “im starken Kontrast…”]: Hilflos und schwach liegt eine zartgliedrige Frau auf dem Altar, liebliches Gesicht, sanftgewelltes goldenes Haar, schlafend, ruhend unter den großen, weißen Flügeln, die, wie mit letzter Kraft, sanft schützend ihren Körper bedecken.

Okkultus:
Würde man näher treten, halb hinter dem Altar verborgen, man erkennt dann eine ähnliche Gestalt, nackt wie die erste, kniend hinter dem Altar, doch schwarze, lederne Schwingen, auch sie hängen fast kraftlos herunter, die Gestalt in sich zusammengesackt, eine Hand auf die nackte, fast bleiche Schulter des Engels gelegt, den Kopf auf die Hand, in der Hand verborgen, auch hier, seit Äonen keine Veränderung. Die Gestalten, wenn man von dem Aussehen absieht; die Szene, ein Liebespaar, der Mann ruht weinend an der Todesstatt der Frau, doch kann es nicht sein, ist es unmöglich, der Kontrast zu stark. Ein Engel und ein Dämon, gefallener, schwarzer Engel, am Grab seiner Liebsten? - man mag nicht einsehen, zu stark die Ketzerei, die diesem Gedanken entspringt.

Miggy:
Vielleicht doch. Vielleicht zeigt dieses Sinnbild, wie schmal der Grad zwischen Schatten und Licht, wie einfach die Zusammenhänge, wie wenig wir, was besteht, verstehen.

Okkultus:
Die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn ist nur eine hauchdünne, perforierte Membran. Der der erzeugt, in seiner Genialität, der Schöpfer, ist aus ihm denn nicht auch das Böse hervorgegangen, der Herr der Finsternis und der Zerstörung? Wo Licht ist, kann kein Schatten sein. DOCH! Doch, es geht, wenn denn nur ein Objekt da ist. Und so ist es ja, in dem ewigen Raum aus Licht, das Reich der Engel, so wirft unsere Welt den Schatten, der da ist, wo doch nur Licht sein sollte. Und so scheint es nur an einem dünnen Bereich unserer Welt diesen einen Bereich zu geben, wo Licht die Dunkelheit trifft. Wo das Zwielicht herrscht. Wo Engel und Dämonen durchaus in der Lage sind, Liebe füreinander zu empfinden.

Miggy:
“Ne des is gut =) da schreib ich jetz nix mehr dahinter…” [packt den Zettel ein]

/ Okkultus
Geschichte original handwritten by … < | und
\ Miggy